Ich führe eine Beziehung mit einer Mexikanerin. Trotz der aktuell großen Distanz zwischen uns sind wir glücklich. Wir möchten bald zusammenziehen und unser Studium gemeinsam fortführen.
Beide sind wir noch relativ jung und genießen es auch unabhängig zu sein, reisen zu können und das Leben zu genießen. Ich persönlich dachte bis vor Kurzem noch mit keinem Gedanken an Heirat oder eine gemeinsame Familie, da ich mich selbst dafür noch nicht reif genug fühle. Doch dann kamen wir durch Zufall in einem Gespräch darauf, dass meine Freundin durchaus schon etwas schief angesehen wird von Freunden und Verwandten, weil sie mit ihrem „hohen“ Alter noch nicht verheiratet ist. Ich war natürlich sehr überrascht.
Ich finde es gibt kein perfektes Alter für die Heirat, jedes Paar soll hier selbst den richtigen Zeitpunkt für sich finden, doch mit 25 Jahren ist sie, meiner Meinung nach, auf alle Fälle noch nicht zu alt, um unverheiratet zu sein. Sie erklärte mir daraufhin, dass sich in der mexikanischen Gesellschaft ein „Trend“ zum frühen Heiraten gebildet hat. Wir sprachen anschließend auch allgemein über Glauben und Familie in Mexiko und ich kam zu der Erkenntnis, dass Mexikaner besonders oft aufgrund konservativer Zwänge heiraten.
So erlauben viele Familien ihrer Tochter nicht, sich mit ihrem Freund alleine in der Wohnung oder in ihrem Zimmer aufzuhalten. Viele Pärchen dürfen bis zur Heirat nicht in einem Zimmer schlafen oder in eine eigene Wohnung zusammenziehen. Auch gemeinsame Reisen oder Ausflüge werden von manchen Eltern verboten, um vor allem die Tochter aber auch den Sohn zu schützen und die Züchtigkeit zu bewahren. So nutzen viele junge Pärchen in Mexiko die Heirat als willkommenes Mittel um freier leben zu können aber nicht unbedingt, weil Sie verheiratet sein möchten.
Ich selbst bin von dieser Ausnutzung des Ehegelöbnisses absolut nicht begeistert und auch meine Freundin ist mit mir der gleichen Meinung. Wir finden eine Liebe und der Wille zur Heirat brauchen Zeit um sich zu entwickeln. Niemand sollte zur Ehe gedrängt werden. Wir sind glücklich zusammen, doch möchten wir erst unser eigenes Leben ordnen, unser Studium abschließen, ins Berufsleben einsteigen und erst dann über Hochzeit nachdenken, wenn wir uns beide auch wirklich reif dafür fühlen.
Natürlich gibt es hierzu verschiedene Ansichten und religiöse Einstellungen. Wie denken Sie darüber?