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Der Themen-Blog der Danto GmbH

Hochwertige, automatische Übersetzungen bald für Alle?

Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem EU-weit tätigen Unternehmen oder einer Organisation tätig. Da Ihre Mitarbeiter neben Deutsch und Englisch so gut wie keine der übrigen Amtssprachen in Wort und Schrift beherrschen, müssen Sie jährlich einen beträchtlichen Teil Ihres Budgets vor allem für Übersetzungs-Dienstleistungen ausgeben.

Muss Dokumente in 23 Amtssprachen übersetzen: die EU

Muss Dokumente in 23 Amtssprachen übersetzen: die EU

Genau dieses Problem hat auch die EU selbst, denn derzeit müssen die Behörden die wichtigsten Dokumente in die 23 Amtssprachen aufwendig und zu hohen Kosten (jährlich eine Milliarde Euro) übersetzen lassen. Diese Summe, so ein Bericht auf heise online, ließe sich mithilfe des MOLTO-Projekts vielleicht verringern.

MOLTO, das steht für Multi-lingual Online Translation. Die EU bezuschusst das bis Februar 2013 laufende Projekt mit 2,3 Milliarden Euro.

Um, anders als Google, möglichst genaue Übersetzungen zu erzielen, nutzen die am MULTO-Projekt beteiligten Entwickler domänenspezifische, mit dem freien Grammatical Framework (GF) implementierte Grammatiken und Ontologien.

In einem ersten Schritt wollen die Entwickler nun für drei Domänen beispielhaft Übersetzungsautomaten erstellen und die hierbei gesammelten Erfahrungen in die Erstellung weiterer Übersetzungsautomaten einfließen lassen.

Zugute kommen soll die entwickelte Übersetzungssoftware Unternehmen wie demjenigen, in dem auch Sie vielleicht tätig sind, und das im Rahmen der LPGL vollkommen kostenlos. Die erste Beta-Version soll übrigens bis Mitte 2010 verfügbar sein.

Als ausgebildeter Diplom-Übersetzer für Englisch und Spanisch interressiert mich zumindest eine Frage: Wird die von der EU kostenlos verteilte Software besser und vor allem effektiver als teure, auf dem Markt erhältliche Software sein?

Die EU bezuschusst MOLTO-Projekt mit 2,3 Milliarden Euro

Die EU bezuschusst MOLTO-Projekt mit 2,3 Milliarden Euro

In meinem zweiten Semester hielt ich im Sommer 1992 in einem Proseminar ein Referat zum Thema “Automatische Übersetzungen”. Als Grundlage diente unter anderem auch ein Artikel aus einer Computerzeitschrift, dessen Autoren die damals auf dem Markt erhältlichen Software-Produkte miteinander, aber auch mit der Leistung einer menschlichen Übersetzerin verglichen.

Als ich das Ergebnis im Seminar präsentierte, waren meine Kommilitoninnen und Kommilitonen genauso verblüfft wie ich zu dem Zeitpunkt, als ich den Artikel zum ersten Mal selbst las: Die qualitativ besten Übersetzungsergebnisse produzierte natürlich die Übersetzerin.

Von den damals erhältlichen Übersetzungsprogrammen jedoch landete das damals für wenig Geld erhältliche Shareware-Programm FB-Translator auf dem besten Platz. Bleibt also abzuwarten, ob das zwar einige Millionen schlingende EU-Projekt mit der für alle kostenlos erhältlichen Software das Rennen macht oder ob zukünftig große Software-Firmen beim Rennen um die beste automatische Übersetzungs-Software die Nase vorne haben werden.

Eines steht jedoch fest: Menschliche Übersetzer arbeiten zwar langsamer als Maschinen, werden jedoch aufgrund ihres sprachlichen und kulturellen Hintergrundwissens in Punkto Genauigkeit und Idiomatik stets leistungsfähiger als die Maschinen sein.

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3 Kommentare

  1. Karla Manne
    28. Januar 2010 von 17:31

    Also, das ist doch die Höhe! Mit so etwas würden tausende Übersetzer arbeitslos werden! Und das Ganze auch noch finanziert durch unsere Steuergelder! Die EU ist die deutsche Bürokratie hoch 3, echt ein Irrsinn…


  2. Basti
    28. Januar 2010 von 21:34

    Nutze für mein Studium und das Lesen ausländischer Meldungen regelmäßig die Übersetzung von Google, obwohl hier noch oft genug recht seltsames rauskommt.

    Aber, wenn das MOLTO richtig gut ist und nicht zu teuer wird, würde ich das sofort kaufen!


  3. Peter Bäcker
    29. Januar 2010 von 16:46

    Bin voll ihrer Meinung. Eine Maschine kann nie einen gleichwertigen Text zu einem Menschen verfassen und es ist auch gut so.


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